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Klassische Musik und Oper von Classissima

Frédéric Chopin

Samstag 27. Mai 2017


Brilliant Classics Blog

28. April

Brilliant Classics: Neuheiten im Mai 2017

Brilliant Classics BlogJeden Monat erscheinen bei Brilliant Classics hochkarätige Neuproduktionen, interessante Wiederveröffentlichungen, Lizenzaufnahmen und enzyklopädische Sammler-Editionen. Sämtliche in diesem Artikel vorgestellten Tonträger sind in Deutschland, Österreich und der Schweiz ab dem 12. Mai 2017 im Handel erhältlich. Das ist Klassikvielfalt mit Entdeckergarantie. D. Johnson · P. Glass · T. Johnson · P. Garland · T. Riley · H. Budd · L. M. Young: Minimal Piano Collection Volume XXI‐XXVIII Jeroen van Veen Epoche: 20. Jahrhundert | Klaviermusik Artikelnr. 95543 EAN: 5028421955438 → amazon.de | → jpc.de 8-CD-Box Jeroen van Veen gehört zu den kompetentesten Kennern der Minimal Music, welcher er sich auf zahllosen Konzerten und CD-Projekten ausnahmslos verschrieben hat. In seiner Minimal-Piano-Collection-Reihe beleuchtet der niederländische Pianist sorgsam die Grenzen der Gattung. Die dritte Sammlung beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit den frühesten Kompositionen des musikalischen Minimalismus. Sie enthält wenig bekannte, für das Genre jedoch immens wichtige Werke der US-amerikanischen Komponisten Dennis Johnson, Philip Glass, Tom Johnson, Peter Garland, Terry Riley, Harold Budd und La Monte Young. ♦ Various Composers: Russian Guitar Music of the 20th and 21st Centuries Cristiano Porqueddu Epoche 20. Jahrhundert / zeitgenössische Musik | Gitarrenmusik Artikelnr. 95385 EAN: 5028421953854 → amazon.de | → jpc.de 4-CD-Box Russland gehört nicht gerade zu den Ländern, die einem zuerst in den Sinn kommen, wenn es um eine lange Gitarrenmusik-Tradition geht. Und doch etablierte sich die Gitarre dort bereits Ende des 18. Jahrhunderts, zunächst als 7-saitige heimische Variante in der Salonmusik, ab dem 20. Jahrhundert dann vermehrt im Konzertsaal in der klassischen 6-saitigen Bauart. Cristiano Porqueddu , ausgewiesener Experte für ein Repertoire abseits eingetretener Pfade, hat für „Russian Guitar Music“ über zwanzig faszinierende und facettenreiche Werke von elf russischen Meistern der Moderne eingespielt. ♦ Carl Philipp Emanuel Bach: Lieder Mariví Blasco, Sopran Yago Mahúgo, Fortepiano Ímpetus Madrid Baroque Ensemble Epoche: Frühklassik | Kunstlied Artikelnr. 95462 EAN: 5028421954622 → amazon.de | → jpc.de CD Bevor das Lied in der Romantik zur sublimen Vertonung weltlicher Poesie wurde, komponierte bereits in der Frühklassik Carl Philipp Emanuel Bach (1714–1788) kunstvolle Lieder mit religiösen Texten von Dichtern wie Christian Fürchtegott Gellert oder Christoph Christian Sturm. Die weltweit gefragte Sopranistin und Alte-Musik-Expertin Mariví Blasco und der Fortepianist Yago Mahúgo haben 13 dieser selten aufgeführten geistlichen Lieder und Oden C. P. E. Bachs aufgenommen. Der Clou: Das Album enthält zusätzlich die gleichen 13 Werke auch als die eigens vom Bachsohn ausgewiesenen „Handstücke“ für Soloklavier. ♦ Johann Michael Bach · Johann Christoph Bach: Complete Organ Music Stefano Molardi Epoche: Barock | Orgelmusik Artikelnr. 95418 EAN: 5028421954189 → amazon.de | → jpc.de 3-CD Stefano Molardi, einer der engagiertesten Bach-Exegeten der letzten Jahre und Kenner der nord- und mitteldeutschen Schule, hat sich der Orgelwerke Johann Michael (1648–1694) und Johann Christoph Bachs (1642–1703) angenommen und sie erstmalig vollständig eingespielt. Die beiden Brüder waren Onkel Johann Sebastian Bachs. Die kunstvoll kontrapunktischen Orgelchoräle und Variationen der Brüder sind Vorboten der Orgelkunst ihres Neffen, verweisen aber gleichzeitig auf die freiere Form der italienischen Tradition Frescobaldis. Sie übten einen nicht zu unterschätzenden, frühen Einfluss auf den jungen Johann Sebastian aus. ♦ Reinhold Glière: Piano Music Gianluca Imperato Epoche: Romantik | Klaviermusik Artikelnr. 95296 EAN: 5028421952963 → amazon.de | → jpc.de CD Reinhold Glières (1875–1956) Préludes-Zyklus nimmt zwar strukturell Bezug auf Chopin, musikalisch kann man allerdings eher von einem „russischen Brahms“ sprechen: Neben romantischer Melancholie in Glières Moll-Préludes gesellt sich bei jenen in den Dur-Tonarten kein aufwühlendes Drama, sondern eher entspannte Sorglosigkeit und Optimismus. Gianluca Imperato, einer der größten pianistischen Hoffnungsträger seiner Heimat, hat die Préludes mit einigen anderen Miniaturen Glières neu aufgenommen. Der unbeschwerte Geist der Musik passt hervorragend zum spielerischen Talent des jungen Italieners. ♦ Claudio Monteverdi: Madrigali Libri I & II Le Nuove Musiche, Krijn Koetsveld Epoche: Frühbarock | Vokalmusik Artikelnr. 94977 EAN: 5028421949772 → amazon.de | → jpc.de 2-CD Bevor Claudio Monteverdi (1567–1643) die Ausdrucksformen in der Musik mit der „nuova pratica“ nachhaltig revolutionierte (und die Oper erfand), schuf er mit seinen ersten beiden Madrigalbüchern einen letzten Höhepunkt im alten, deklamatorisch geprägten Renaissance-Stil. Das niederländische Gesangsensemble Le Nuove Musiche setzt seine von der Presse hochgelobte Neueinspielungsreihe mit eben diesen Libri I & II der „Madrigali a cinque voci“ (1587, 1590) auf dem gewohnt hohen Niveau fort. Die Sängerinnen und Sänger überzeugen durch eine klare Diktion und einen homogenen Ensembleklang. ♦ Robert Muczynski: Chamber Music Ginevra Petrucci, Flöte Gleb Kanasevich, Klarinette Dorotea Racz, Cello Dmitry Samogray, Klavier Epoche: 20. Jahrhundert | Kammermusik Artikelnr. 95433 EAN: 5028421954332 → amazon.de | → jpc.de CD Robert Muczynski (1929–2010) gilt als einer der bedeutendsten neoklassizistischen US-Komponisten der Nachkriegszeit. Seine Musik vereint die Harmonien Bartóks mit der Lyrik Barbers und der Energie Bernsteins mit gelegentlichen jazzigen Anleihen. Das multinational besetzte Ensemble Accendo widmet sich mit Können und Hingabe fünf exemplarischen Kompositionen Muczynskis, darunter sein kammermusikalisches Meisterwerk, die Cellosonate op. 25, und das originelle „Fantasy Trio“ op. 26 für Klarinette, Cello und Klavier. Dies ist eine längst überfällige Hommage an einen in Europa unterschätzten Komponisten. ♦ Niccolò Paganini: Chamber Music for Strings Roberto Noferini, Violine Anna Noferini, Violine Andrea Noferini, Cello Giulio Tampalini, Gitarre Epoche: Romantik | Kammermusik Artikelnr. 95031 EAN: 5028421950310 → amazon.de | → jpc.de CD Gerade in seiner weitgehend unbekannten Kammermusik belegte Niccolò Paganini (1782–1840) sein erstaunliches kompositorisches Talent, das durchaus nicht nur den Violinisten in den Vordergrund rückt. „Chamber Music for Strings“ fasst einige dieser virtuosen und gleichzeitig eleganten Werke zusammen. Kernstücke sind die „3 Ritornelli“ für Streichtrio und die „Sonata concertata“ für Violine und Gitarre. Der Violinist Roberto Noferini hat das Album gemeinsam mit seinen Geschwistern Anna (2. Violine) und Andrea Noferini (Cello) und dem vorzüglichen Gitarristen Giulio Tampalini mit Können und Expertise aufgenommen. ♦ Max Reger: Organ Sonatas · B.A.C.H. Fantasy & Fugue Adriano Falcioni Epoche: Romantik | Orgelmusik Artikelnr. 95075 EAN: 5028421950754 → amazon.de | → jpc.de CD Max Reger (1873–1916) hinterließ ein äußerst umfangreiches Orgelwerk. Das neue Album des italienischen Organisten Adriano Falcioni konzentriert sich auf drei monumentale Kompositionen: die „Fantasie und Fuge über B-A-C-H“, die Orgelsonate Nr. 1 in fis-Moll und die Orgelsonate Nr. 2 in d-Moll. Adriano Falcioni folgt mit diesem Album einer ausdrücklichen Empfehlung der Enkelin des Komponisten, die den italienischen Organisten ermutigte, Regers Orgelmusik aufzunehmen, nachdem sie eines seiner Konzerte besucht hatte. Falcioni nennt Regers zweite Orgelsonate ‘essenziell für seine Entwicklung als Organist.’

ouverture

16. Mai

Ivan Moravec - Twelfth night recital (Supraphon)

„Dieser junge Mann braucht meine Stunden nicht, er muss nur spielen“, soll Arturo Benedetti Michelangeli einst gesagt haben, nachdem er den jungen Ivan Moravec zu einem Meisterkurs eingeladen hatte. Wer den Prager Pianisten schätzt, oder ihn überhaupt noch nicht gehört hat, dem sei an dieser Stelle eine außer- gewöhnliche Aufnahme empfohlen. Es ist der Mitschnitt eines Konzertes, das Moravec 1987 im Prager Rudolfinum gegeben hatte.  28 Jahre lang lagen die Bänder unge- nutzt im Archiv von Supraphon. Irgendwann wunderte sich ein Mitarbeiter des Labels darüber, erfährt man aus dem Beiheft. Er prüfte die Aufnahme, und fand sie technisch einwand- frei, und künstlerisch rundum überzeugend. Glücklicherweise ist es ihm mit beharrlichem Einsatz gelungen, Professor Moravec dazu zu bewegen, die Erlaubnis zur Veröffentlichung des Mitschnittes zu erteilen.  Wenige Tage, nachdem der Pianist zugestimmt hatte, ist er dann gestorben. So erschien die Aufnahme, die eigentlich als Geschenk zu seinem 85. Geburtstag vorgesehen war, letztendlich als musikalischer Nachruf auf einen Musiker, dem es um Wahrhaftigkeit ging, und nicht darum, ein Star zu sein.  Ivan Moravec war überaus selbstkritisch und sehr zurückhaltend bei der Freigabe von Aufnahmen und Konzertmitschnitten. Entsprechend schmal ist seine Diskographie. Das macht diese Doppel-CD umso wertvoller, zumal der Pianist selbst anmerkte, er habe manche der Werke nie besser aufgenommen, als sie an diesem 6. Januar 1987 zu hören waren – in einem ganz normalen Abonnementkonzert.  Auf dem Programm standen Musikstücke, die Konventionen in Frage stellten, unter anderem die Chromatische Fantasie und Fuge BWV 903 von Johann Sebastian Bach, eine Klaviersonate von Wolfgang Amadeus Mozart, die Mondscheinsonate op. 27 von Ludwig van Beethoven – mit dem Untertitel „quasi una fantasia“, nicht nur formal seinerzeit ein kühnes Experiment – sowie Werke von Frédéric Chopin. Als Zugabe spielte Moravec zudem noch Clair de lune aus der Suite bergamasque von Claude Debussy.  Das Klavierspiel von Ivan Moravec ist ein Ereignis; er musiziert gänzlich uneitel, auf der Suche nach dem Kern eines jeden Werkes, und nach dem angemessenen Ausdruck, dabei überhaupt nicht interessiert an vorder- gründiger Virtuosität und Brillanz. Seine exzellente Technik war für den Pianisten ein Werkzeug, Mittel zum Zweck, und nichts, was er stolz der Welt präsentieren wollte. Was er mit dieser Haltung und mit beharrlicher Arbeit am Detail erreichte, das ist atemberaubend. In seiner Interpretation wird jede Passage zu purer Poesie; jede Tonleiter wirkt beseelt, und noch die banalste Wendung hat plötzlich ein Ziel. Ganz große Klavierkunst. 




ouverture

28. März

"Les Bis" de Georges Athanasiadès (Tudor)

Georges Athanasiadès, Jahrgang 1929, wirkt seit vielen Jahren in der Abtei Saint-Maurice. Dieses Kloster der Augustiner-Chorherren, es befindet sich im Kanton Wallis in der Westschweiz, gilt als das älteste Kloster des Abendlandes, das ohne Unterbrechung existierte – 2014/15 feierte es sein 1500jähriges Bestehen. Als Priester unterrichtete Athanasia- dès lange am dortigen Gymnasium.  Doch er ist nicht nur Germanist und Theologe, er hat in Lausanne auch Musik studiert und sein Solisten- diplom mit Auszeichnung absolviert. Als Organist der Stiftsbasilika Saint-Maurice musiziert Athanasiadès nicht nur im Gottesdienst; er gibt zudem weltweit Konzerte, engagiert sich für den musikalischen Nachwuchs und ist ein gefragter Berater, wenn es um Neubau und Restaurierung von Orgeln geht.  Auf dieser CD präsentiert er nun seine Lieblingszugaben: „Une très longue carrière de concertiste m'a suggéré de grouper un certain nombre de mes encores sous le titre ,Les Bis'“, schreibt Athanasiadès. In seinem Begleit- wort zu dieser CD verweist er auf die Geschichte der Orgel, die ja keines- wegs schon immer ihren Platz im sakralen Raum hatte. Und auch heute wird auf diesem Instrument nicht nur genuin geistliche Musik gespielt; der Farbenreichtum und der orchestrale Charakter des Orgelklanges laden geradezu dazu ein, auch beispielsweise Orchestermusik vorzutragen.  Und so steht auch hier beispielsweise Jesus bleibet meine Freude von Johann Sebastian Bach neben dem Pilgerchor aus der Oper Tannhäuser von Richard Wagner, und die Sonate facile KV 545 von Wolfgang Amadeus Mozart erklingt neben drei Préludes von Frédéric Chopin – arrangiert ebenso wie Wagners Pilgerchor für Orgel übrigens von Franz Liszt. Herzlich tut mich verlangen von Johannes Brahms spielte der Organist an der Orgel der Stiftsbasilika Waldsassen in Bayern; ansonsten ist die Große Orgel der Stiftsbasilika zu hören. Dieses facettenreiche Instrument, eingeweiht 1950, stammt von der Orgelbau Th. Kuhn AG, Männedorf im Kanton Zürich. Es verfügt über 56 Register auf drei Manualen und Pedal. 

Crescendo

21. März

David Fray: Klavierspiel am Limit - David Fray

Träumen, singen, sprechen – der französische Pianist David Fray stellt hohe Ansprüche an sein Klavierspiel. Auf seinem neuen Chopin-Album konfrontiert er sich mit seinen eigenen Grenzen. crescendo: Herr Fray, 2006 sind Sie bei einem Konzert der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen kurzfristig für die erkrankte Pianistin Hélène Grimaud eingesprungen. Mit diesem Konzert wurden Sie schlagartig international berühmt. Wie haben Sie Konzert und Vorbereitungen erlebt? David Fray: Das war sehr spannend, ich erinnere mich noch gut daran. Ich wurde nur wenige Tage vorher angefragt, quasi in letzter Minute. Eines der beiden geplanten Klavierkonzerte hatte ich noch nie zuvor gespielt und erarbeitete es mir in diesen wenigen Tagen. Ich lernte die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen kennen, mit der ich bis heute gerne zusammenspiele. Außerdem war es das erste Konzert, das ich mit Orchester, aber ohne Dirigenten spielte. Eine sehr stressige, aber überaus aufregende Erfahrung. Auf Ihrem neuen Album widmen Sie sich der Musik Frédéric Chopins. Was ist das Besondere daran? DF: Chopins Musik ist unglaublich reich an Klangfarben und „gesungenen“ Melodien, was eine große Herausforderung für mich war. Dazu kam noch, dass ich seit fast 15 Jahren keinen Chopin mehr gespielt hatte. Zu Beginn meiner Karriere dachte ich, ich könne mein Leben lang musizieren, ohne je wieder ein Werk von Chopin zu spielen. Aber eines Tages hatte ich plötzlich das Gefühl, dass ich diese Musik wieder brauche, dass ich sie spielen muss. Es hat sich einfach richtig angefühlt. Um ein guter Chopin-Interpret zu sein, sollte man einerseits ein guter Bach-Interpret, andererseits ein geübter Opernsänger des Belcanto sein. Die Melodien bei Chopin sind eindeutig vom Belcanto beeinflusst, in Ausdruck, Verlauf und Rubato. Ich wollte diese beiden Elemente verbinden. In Chopins Musik sind die Dinge, die man nicht hört, am wichtigsten. Es ist unglaublich spannend, wenn die rechte und die linke Hand nicht exakt zusammenspielen, sondern manchmal ganz leicht auseinanderdriften. Was man dann spürt, fühlt sich für mich an wie ein Wunder: Es könnte zusammenpassen, ist im Bereich des Möglichen, aber es läuft ganz leicht auseinander. Wie weit können sich die beiden Hände voneinander entfernen? Es ist ein Klavierspiel am Limit. Wie die beiden vorherigen haben Sie Ihr aktuelles Album in der Kathedrale Notre-Dame du Liban in Paris aufgenommen. Bereichert die Akustik dort Ihre Interpretation? DF: Der Klavierklang hat in dieser Kathedrale eine einzigartige Wärme, und die Atmosphäre finde ich sehr inspirierend. Mein gesamtes Spiel dreht sich um Resonanz und Klang. Ich verwende sehr viel Pedal – nicht, um den Ton länger klingen zu lassen, sondern um ein kleines Echo zu schaffen. Dadurch bin ich auch nicht vollkommen abhängig von dem Raum, in dem ich spiele, sondern kann mit dem Instrument an sich schon einen kleinen Nachhall kreieren. Auch bei Werken von Bach verwende ich Pedal, aber immer nur kurz. In der Kathedrale Notre-Dame du Liban muss ich das nicht machen, da ist dieser kleine Nachhall von selbst mit dabei. Es heißt, dass Sie den Pianisten Wilhelm Kempff als Ihr Vorbild betrachten. Was inspiriert Sie an ihm? DF: Ich bewundere seine Art, durch das Klavier zu singen. Sein Klavierspiel hat eine Stimme: Es spricht wirklich, es singt wirklich. In jedem Konzert, das ich gebe, versuche ich, die Töne singend zu spielen, sogar schnelle, kurze Noten. Die Farben, die Wilhelm Kempff mit seinem Klavierspiel zum Leben erweckt, sind fantastisch. Er ist ein „Träumer“. Ebenso wie Radu Lupu. Während er spielt, träumt er und lässt dabei gleichzeitig die Zuhörer an seinen Träumen teilhaben. Das ist meiner Meinung nach das Beste, was man als Pianist erreichen kann. Welche Musik hören Sie in Ihrer Freizeit? Meine Frau und ich hören vor allem gerne Gesang. Im letzten Monat war ich ein richtiger „Monomaniac“ und habe fast nur Interpretationen der Sopranistin Arleen Augér angehört. Sie war eine fantastische amerikanische Sängerin, und ihre Phrasierungen und ihr Legato sind einmalig. Sängerinnen und Sänger sind völlig eins mit ihrem Körper und ihrem Atem. Rein theoretisch kann ein Pianist, wenn er will, spielen, ohne zu atmen. Das ist zwar nicht gesund, aber für kurze Zeit zumindest möglich. Für einen Sänger ist das unmöglich. Meiner Meinung nach ist beim Klavierspiel das Singen ebenso wichtig wie das Sprechen. Man muss zu den Leuten sprechen, ihnen eine Geschichte erzählen. Da sind wir wieder beim Träumen. Mit meinem Klavierspiel möchte ich das Publikum träumen lassen und ihm eine Geschichte erzählen. Schon Robert Schumann wollte musikalisch Geschichten erzählen: Seine Märchenbilder op. 113, Märchenerzählungen op. 132 und Kinderszenen op. 15 machen das deutlich. Die Tendenz geht dahin, dass immer weniger junge Leute klassische Konzerte besuchen. Warum? DF: Ich habe das Gefühl, dass dieses Problem von zwei Dingen herrührt. Erstens lernen viele Kinder klassische Musik in der Schule erst richtig im Alter zwischen elf und 15 Jahren kennen. Das ist das falsche Alter dafür. Kinder sollten klassische Musik schon in den ersten Schuljahren, etwa bis zu ihrem zehnten Lebensjahr, kennenlernen. In diesem Alter sind sie noch deutlich aufgeschlossener und flexibler. Das Zweite sind die Medien. Sie sind mit dafür verantwortlich, den Menschen klassische Musik näherzubringen. Das kulturelle Erbe, die Geschichte der Musik eines Landes, darf nicht in Vergessenheit geraten. Wenn es eine harte Trennung zwischen den Menschen und ihrer Geschichte gibt, geht die Musikkultur der vergangenen Jahrhunderte verloren. Ich hoffe, dass die Medien sich ihrer Verantwortung für die Vermittlung dieses kulturellen Erbes bewusst werden. Es geht nicht nur um Unterhaltung, sondern auch um die kulturelle Vergangenheit. Kultur, Musik und Literatur definieren ein Land. Die Macht der Medien wird immer stärker. Sie sollte für etwas Wertvolles eingesetzt werden. Meike Katrin Stein TERMINE 09.03.2017: Köln, Philharmonie; 10.03.2017: Bielefeld, Rudolf-Oetker-Halle; 11.03.2017: Düsseldorf, Tonhalle; 28.04.2017: Coesfeld; 14.05.2017: München, Prinzregententheater; 13.07.2017: Hohenems (A), Markus-Sittikus Saal David Fray: „Chopin“ (Erato)



Crescendo

16. Februar

Der Wert der Musik

„Musik ist uns was wert“ schreibt die GEMA, und bestätigt damit etwas, das eigentlich jedem klar sein müsste: hinter jeder künstlerischen Leistung steckt harte Arbeit, und es ist ganz nett, wenn man dafür auch ein bisschen was bekommt. Das Thema „Auftragshonorar für eine musikalische Komposition“ ist ein sehr schwieriges, und ich verbringe viel Zeit damit, Kollegen Tipps dazu zu geben, da oft fast unmöglich zu beurteilen ist, wie viel man verlangen kann oder sollte. Es ist ein Minenfeld voller Missverständnisse, in dem sowohl fremde als auch eigene Ausbeutung existiert. Wie bei vielen künstlerischen Berufen gilt: je mehr man sich individuell ausdrücken kann, je mehr „Spaß“ man also vermeintlich hat, desto schlechter wird man bezahlt. Komponisten werden da behandelt wie auch Tänzer oder Sänger an Theatern, sie bekommen meistens wesentlich weniger für ihre tatsächliche Arbeitszeit als man annehmen würde, und sind zudem jederzeit kündbar. Allgemein herrscht die Idee, dass der Künstlerberuf ja ohnehin kein „gescheiter“ Beruf ist, und man dafür gefälligst auch darben muss. Wenn es Individuen gelingt, sich nicht schlecht sondern stattdessen recht gut durchzuschlagen, gar als Freiberufler ein gutes Auskommen zu haben, werden sie entweder misstrauisch beäugt oder von den Kollegen beneidet. Natürlich wäre es Blödsinn, wenn es verbeamtete Urheber gäbe, die auf Kommando und nach genauen Uhrzeiten schöpferisch tätig wären. Ohnehin ist die „Arbeitszeit“ bei einer Komposition nicht zu berechnen, da kreatives Arbeiten nicht 100% planbar ist, und einen meist den ganzen Tag beschäftigt, nicht nur wenn man Noten aufschreibt. Es ist aber eine traurige Tatsache, dass die durchschnittlichen Auftragshonorare für Komponisten in den letzten Jahren nicht nur stagniert sind, sondern auf ständigem Abwärtskurs sind. Trotz beständiger Inflation sind hier keinerlei Steigerungen zu beobachten, nach der Euro-Umrechnung wurde es auch nochmal weniger. Das Schlimme ist: Oft tragen die Komponisten selber dazu bei, das Preisdumping noch zu erhöhen. Am schlimmsten ist das bei Auftragshonoraren für Orchesterstücke und Opern. Da viele Komponisten der irrigen Meinung sind, dass man als Komponist zumindest einmal eine Oper geschrieben haben muss, auch wenn man vielleicht dafür gar kein besonderes Talent hat (was auch nicht im geringsten ein Makel ist, siehe Komponisten wie Chopin zum Beispiel), biedern sie sich geradezu an, diese für Schleuderpreise zu schreiben. Wie oft hatte ich schon Unterhaltungen mit Opernhäusern, bei denen bei den Honorarverhandlungen der Satz fiel „Wissen Sie, Ihr Kollege XY hat gerade eine Oper für uns geschrieben, dafür aber nur 7.500 EUR verlangt“. Da läuft einem ein Schauer über den Rücken, wenn man die tatsächliche Arbeitszeit für das Komponieren einer Oper mit dieser Summe in Bezug setzt. Jede kleine Dienstleistung wird (zu Recht) in diesem Land vergütet, Handwerker bekommen schon alleine für das Anschauen eines Wasserhahns Unsummen, warum machen wir uns als Komponisten so wahnsinnig klein? Was das Ganze noch schlimmer macht: meistens werden dann noch Stimmenherstellung, Klavierauszüge und Großes Recht mit so einer Summe mitabgegolten. Ein solcher Komponist beutet nicht nur sich selber aus, sondern ruiniert auch die Preise für die Kollegen die nach ihm kommen. Mir ist natürlich klar, dass man nicht als junger aufstrebender Komponist an einem kleineren Haus mit strengen Budgetvorgaben ein gigantisches Honorar verlangen kann, und natürlich spielt die eigene Lust auf ein Projekt eine große Rolle bei den Honorarverhandlungen. Aber man muss sich dann auch klar machen, dass es sich hier nur noch um ein „symbolisches“ Honorar handelt, wogegen jeder einzelne weitere Mitarbeiter an dem Theater bis hin zu den Pförtnern, Nachtwächtern und Putzkräften sehr wohl reelle Honorare erhält. Ich weiß, ein schwieriges Thema – man kann künstlerische Honorare nicht leicht nach Tarifvertrag regeln. Ein berühmter Architekt bekommt auch mehr als ein junger, unbekannter Architekt, das ist der Lauf der Dinge. Aber wenn es allzu obszön bei den Honorarverhandlungen wird, sollte man sich den – zugegebenermaßen zu dieser Zeit schon sehr berühmten – György Ligeti ins Gedächtnis rufen, der der Legende nach für sein Horntrio – ein 25-minütiges Werk für drei Spieler – die Auftragssumme von 100.000 DM erhielt, was heute mindestens ca. 200.000 EUR entsprechen würde. Ein solches Honorar wäre heute selbst für die berühmtesten und allererfolgreichsten Komponisten unseres Metiers unvorstellbar. Von Moritz Eggert

Frédéric Chopin
(1810 – 1849)

Frédéric François Chopin (22. Februar oder 1. März 1810 - 17. Oktober 1849) war einer der einflussreichsten und populärsten Klavierkomponisten und Pianisten des 19. Jahrhunderts. Der Sohn eines Franzosen und einer Polin wuchs in Warschau auf, verbrachte sein Berufsleben größtenteils in Paris, und gilt als bedeutendste Persönlichkeit in der Musikgeschichte Polens.



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