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Klassische Musik und Oper von Classissima

Frédéric Chopin

Donnerstag 8. Dezember 2016


Crescendo

29. November

Dürfen wir Mahler verscherbeln? - Nach Partitur-Rekord: Verantwortung von Handschriften-Sammlern

CrescendoMahlers 2. Symphonie machte bei einer Auktion Rekordumsatz. Grund genug, sich Gedanken über Handschriften-Sammler und das öffentliche Recht auf Kulturschätze zu machen. Von Axel Brüggemann Gilbert Kaplan wurde als Herausgeber einer Börsenzeitung zum Millionär. Vor ziemlich genau einem Jahr starb dieser etwas schrullige, aber leidenschaftliche Mann mit 74 Jahren in New York. Gestern wurde sein Nachlass versteigert – unter anderem auch die 232-seitige, handschriftliche Partitur der 2. Symphonie von Gustav Mahler: die Original-Auferstehungssymphonie. Die Erben wollten die Versteigerung. Wohl auch, weil eine Auktion bei Sotheby’s mehr Gewinn erzielt als wenn die Nachkommen den Mahler einem Museum zum Kauf angeboten hätten. Am Ende wechselten die Noten für 5,29 Millionen Euro ihren Besitzer. Der neue Eigentümer will unbedingt anonym bleiben – ein Hinweis darauf, dass die Handschrift in Zukunft wohl nicht mehr öffentlich zu sehen sein wird. Das Beispiel der Mahler-Symphonie stellt Gretchenfragen an den Umgang mit der Geschichte der Musik: Wem gehören die Handschriften? Wem sollten sie gehören? Und welche Verantwortung hat derjenige, dem sie gehören? Gibt es ein allgemeines Recht auf Kulturschätze? Und wenn nicht, sollte es Beschränkungen geben? Dürfen Bilder und Partituren ungebremst zu Spekulationsobjekten werden? Gilbert Kaplan war ein Vorzeige-Besitzer. 1965 hörte er Mahlers Zweite, diese gigantische Symphonie um Leben, Tod, das jüngste Gericht und die Auferstehung, zum ersten Mal – in der Carnegie Hall, dirigiert von Leopold Stokowski. „Diese Musik traf mich wie ein Blitz“, erinnerte er sich später. Die Symphonie wurde sein ganz persönlicher Lebenssinn. Gilbert Kaplan nahm sich vor, sie selber zu dirigieren. Der Freak und die Handschrift Als er die Handschrift studieren wollte, wandte er sich an den damaligen Besitzer, die Mengelberg-Stiftung. Hier wurden die Noten aufbewahrt, nachdem Mahlers Frau Alma sie dem Dirigenten Willem Mengelberg geschenkt hatte. Mengelberg, ein Freund der Mahlers, leitete das erste Mahler-Festival in Amsterdam. Als er 1951 starb, ging die Handschrift in die Mengelberg-Stiftung über. Aber die konnte Kaplan das Werk nicht zum Studium zur Verfügung stellen, da ihr das Geld fehlte, die Noten zu konservieren. In diesem Moment schlug der Mahler-Fan zu und kaufte die Partitur kurzerhand. Nicht als Spekulationsobjekt, sondern als Studienobjekt – ein Sammler aus Leidenschaft. Kaplans weiteres Vorgehen war vorbildlich: Er ließ aufwendige Faksimiles der Handschrift anfertigen, um jedem Menschen Mahlers Werk zugängig zu machen. Fortan waren Mahlers ursprüngliche Notation und seine spätere Bearbeitung nach der Uraufführung, für die er unter anderem ein Glockenspiel mit blauer Farbe in die Partitur einschrieb, allgemein zugänglich. Außerdem übergab Kaplan das Original in die fachlichen Hände einer New Yorker Bibliothek, wo die Handschrift seither gehegt und gepflegt wird. Derweil hat der Sammler weiterhin akribisch an der Aufführung seiner eigenen Mahler-Deutung gearbeitet: 1981 mietete er die Avery Fisher Hall sowie ein Orchester samt Chor. Die Aufnahmen sind noch heute auf Youtube anzuschauen: Gilbert mit dicker Brille, als besonnener und feingeistiger, vor allen Dingen aber demütiger Amateur-Dirigent. Seine Interpretation wurde gefiert, und in seinem Leben dirigierte er Mahlers Zweite (und nur diese) über 100 Mal mit über 50 unterschiedlichen Orchestern, unter anderem mit den Los Angeles Philharmonics, dem London Symphony Orchestra, dem NDR, dem Orchester der Bayerischen Staatsoper und den Israel Philharmonic – 1996 luden ihn die Salzburger Festspiele als ersten Amateurdirigenten ein. Gilbert Kaplan wurde zum perfekten Besitzer einer Handschrift. Er verstand es als seine Verantwortung, das Werk, das er liebte, zugängig zu machen – sowohl der Mahler-Forschung als auch anderen praktizierenden Dirigenten und Orchestern. Gustav Mahler hätte sich keinen besseren Fürsprecher und Nachlassverwalter wünschen können. Fürchterliche Sammler Kaplans Umgang mit der Partitur ist allerdings nicht selbstverständlich. Es gibt Sammler, die Noten von unschätzbarem Werk zu Hause horten und der Wissenschaft entziehen. Einer der freveligsten Partitur-Verwalter war sicherlich Adolf Hitler. Nach Tagebuch-Eintragungen von Albert Speer soll er die Handschriften von Wagners „Rienzi“, dem „Liebesverbot“, „Die Feen“ und Teile des „Ringes“ zu seinem 50. Geburtstag 1939 geschenkt bekommen haben. Bis heute ist unklar, was aus diesen Dokumenten geworden ist. Dass Hitler sie mit in seinen Berliner Bunker genommen hat, wo sie zerstört worden sein könnten, schließen Forscher weitgehend aus – allein, weil der Bunker-Tresor zu klein war. Sollte Hitler seinen Musik-Schatz im Domizil am Obersalzberg gehortet haben, verliert sich hier seine Spur. Eine Theorie besagt, dass die Noten mit dem Bormannn-Treck nach Südtirol geschafft worden sein könnten, wo sie entweder zerstört, oder von französischen Besatzern entdeckt worden sind. Wie auch immer: bis heute sind die Wagner-Handschriften verschollen – jede Suche blieb ergebnislos. Überhaupt scheint die Frage nach Kunstraub und –Enteignung in Sachen Musik noch weit hinter der Aufarbeitung dieses Themas, etwa in der Bildenden Kunst, zu hinken. So akribisch wie in jüngster Zeit nach verschollenen und aus jüdischem Besitz geraubten Bildern gefahndet wird (große Museen haben eigene Mitarbeiter für dieses Thema), sollte auch nach Partitur-Raubkunst gesucht werden – bislang fristet sie auf Seiten wie lostart.de noch ein Nischendasein. Und auch in öffentlichen Archiven oder Bibliotheken scheinen Partituren noch nicht den Stellenwert zu haben wie etwa Bilder. Dennoch werden sie hier sicher und fachgerecht verwahrt – und zuweilen auch wiederentdeckt. Selbst wenn sie Jahrzehnte lang in irgendwelchen Kellern geschlummert haben, besteht in einer professionellen Bibliothek zumindest die Möglichkeit, dass ein Werk irgendwann wieder auftaucht. So fand das Bruckner-Archiv in St.Florian erst in diesem Jahr bei der Digitalisierung seines Bestandes neue Stimmen der e-Moll-Messe, und die kleine Bibliothek in Detmold entdeckte 2013 unbekannte Kompositionen von Albert Lortzing in seinem Bestand. Die Versteigerung der Mahler-Partitur bei Sotheby’s war ein Risiko. Ein Risiko, das die Erben von Gilbert Kaplan bewusst eingegangen sind. Die Versteigerung barg das Risiko, dass die Handschrift für immer und ewig in einem Privathausaus verschwindet. Gilbert selber hatte verfügt, dass die Partitur verkauft werden sollte, aber wahrscheinlich in der Hoffnung, einen ebenso verrückten Mahler-Enthusiasten zu finden wie ihn selber. Musik als Spekulationsobjekt Fakt ist, das Menschen wie er heute selten sind. Zumal sich die Zeiten wandeln. Niedrigzinsen und unsichere Börsengeschäfte befeuern den Status der Partituren als Spekulationsobjekte. Und der Wahnsinn scheint gerade erst zu beginnen. Die 5,2 Millionen Euro, die Sotheby’s für die Mahler-Partitur erwartet hat, stellt bislang ein Höchstpreis für Musik dar. Eine Summe, die man so vorher nicht kannte: Beethovens handschriftliches Notenblatt zur Übung am Klavier, das einst im Besitz von Chopin war, kaufte ein Pariser Museum für 252.750 Euro, die erste Gesamtausgabe von Bachs 6 Partituren für Klavier aus dem 18. Jahrhundert erzielten 228.750 Euro, und ein von Schoenberg signiertes Exemplar seines 2. Streichquartetts wechselte für 210.750 Euro seinen Besitzer. Es ist leicht zu erkennen, dass die Partitur als Spekulationsobjekt gerade erst im Kommen ist, und dass gerade in diesen Tagen Investitionen noch große Renditen versprechen. Während die Preise steigen, steigt auch die Verlockung, Partituren als bloße Investitionen zu verstehen. Ein Trend, der grade erst anfängt und sicherlich nicht aufzuhalten ist. Um so wichtiger scheint es, an die Besitzer zu appellieren, dass der Satz vom Eigentum, das verpflichtet, gerade auch auf diesem Feld unbedingt gelten muss – Gilbert Kaplan war hier ein Vorreiter.

ouverture

1. November

Chopin's Pupils (Accord)

Musik, die von zwei Schülern Chopins komponiert wurde, ist auf dieser CD zu hören: Der vielfach ausgezeichnete Pianist Hubert Rutkowski spielt Werke von Thomas Dyke Acland Tellefsen (1823 bis 1874) und Carl Filtsch (1830 bis 1845). Begleitet wird er dabei vom Polnischen Radio-Sinfonieorchester unter Łukasz Borowicz.  Thomas Tellefsen stammte aus Trondheim; 1842 verließ er Nor- wegen, um in Paris Musik zu studieren. 1844 wurde er Chopins Schüler; nach dem Tode des Meisters 1847 übernahm er eines Teil seines Unterrichtes und galt bald als ein exzellenter Klavierlehrer. Auch als Pianist war Tellefsen sehr erfolgreich. Er komponierte 44 Werke; auf dieser CD ist das erste seiner beiden Klavierkonzerte zu hören. Sie sind um 1850 entstanden und orientieren sich am Vorbild Fields und Chopins.  Carl Filtsch war ein Wunderkind. Der Sohn eines Pfarrers aus Sieben- bürgen kam im Alter von sieben Jahren zur weiteren Ausbildung nach Wien, wo er bald bei Hofe eingeführt wurde, und mit dem gleichaltrigen Kronprinzen Franz Joseph spielte und musizierte. Als Elfjähriger debütierte er im Wiener Musikverein; ein Jahr später wurde er in Paris der Lieblingsschüler Chopins. Liszt unterrichtete ihn ebenfalls, vertretungs- weise, und er soll über Filtsch gesagt haben: „Wenn dieser Kleine reisen wird, kann ich meine Bude zusperren.“ Die Kritiker feierten den jungen Virtuosen. Er reiste – aber nicht lange. Wenige Tage vor seinem 15. Ge- burtstag starb Carl Filtsch in Venedig an Tuberkulose.  Der junge Musiker hat erstaunlich viele Werke komponiert, aber nur zwei für Klavier und Orchester – eine Ouvertüre und ein Concert-Stück. Es ist kraftvolle, jugendlich zupackende Musik, wie diese Aufnahme zeigt. Rutkowski sind einmal mehr Entdeckungen gelungen; sehr hörenswert.




ouverture

3. Oktober

Hidden Gems - Ignaz Joseph Pleyel (Ars)

Ignaz Joseph Pleyel (1757 bis 1831) galt zu Lebzeiten als „Componist von erstem Range“, man sah ihn auf Augenhöhe mit seinem Lehrer Joseph Haydn und mit Wolfgang Amadeus Mozart. Pleyel wurde in ganz Europa gefeiert, und seine Werke erschienen in erstklassigen Verlagen. Der Musi- ker erwies sich auch als erfolgreicher Geschäftsmann: In Paris gründete er einen Musikverlag, der rasch zu den Marktführern gehörte. Auch mit seiner Klaviermanufaktur verdiente Pleyel viel Geld. Und als er schließ- lich eine Konzertreihe, die Salons Pleyel, startete, kamen die Reichen und die Schönen, um europäischen Stars wie Frédéric Chopin oder dem Wunderkind Clara Wieck zu lauschen. La Salle Pleyel ist noch heute eine Institution in Paris.  Die Musik von Ignaz Pleyel geriet allerdings in Vergessenheit – aus uner- findlichen Gründen, wie man nach dem Anhören zweier CD mit Hidden Gems feststellen muss. Sie sind auf Initiative der Internationalen Ignaz Joseph Pleyel Gesellschaft (IPG) entstanden, die sich an seinem Geburts- ort, im niederösterreichischen Ruppersthal, ganz entschieden für das Vermächtnis des Komponisten einsetzt – und sie enthalten wahrhaftige Schätze. Aus dem Jahre 1792 stammen die drei Streichquartette Ben 359, Ben 360 und Ben 361. Es musiziert das Ignaz Pleyel Quartett mit Raimund Lissy und Dominik Hellsberg, Violine, Robert Bauerstatter, Viola und Bernhard Naoki Hedenborg, Violoncello, sämtlich Mitglieder der Wiener Philharmoniker.  Auf der zweiten CD folgen Pleyels Violinkonzert in C-Dur, Ben 1106, das Bratschenkonzert in D-Dur, Ben 1062 und die Sinfonie in B-Dur, Ben 127/1493. Es musizieren die Camerata pro Musica unter Christian Birn- baum; als Solisten sind Cornelia Löscher, Violine, und Robert Bauerstatter, Viola, zu erleben. Immer wieder verblüfft die Originalität, mit der Pleyel seine Werke gestaltet, sein überaus eleganter Stil und seine liebevolle Instrumentierung, die auch Orchesterinstrumente mit ihren Klangfarben immer wieder aufs Schönste zur Geltung bringt. Man kann der IPG für diese beiden CD mit Entdeckungen nur dankbar sein; sämtliche Werke erklingen in Weltersteinspielungen – und hoffentlich folgen noch viele ähnlich engagierte Aufnahmen nach; es wäre großartig, wenn sie ergänzt würden durch Noteneditionen.

ouverture

4. September

Mendelssohn: Lieder ohne Worte books 5-8 (BIS)

Noch einmal Lieder ohne Worte. Felix Mendelssohn Bartholdy erschuf dieses Genre, indem er seiner Schwester Fanny einst „sechs Lieder ohne Worte“ zum Geburtstag schenkte. Die Romantiker waren überzeugt, dass Musik mehr sagt als Worte: „Wo die Sprache aufhört, fängt die Musik an“, formulierte es E.T.A. Hoffmann. Und so kompo- nierte Frédéric Chopin Klavierstücke, die er Ballade nannte – und Franz Liszt Orchesterwerke, die als Symphonische Dichtungen Musik- geschichte schrieben.  Mendelssohns Lieder ohne Worte begeistern das Publikum – damals wie heute. Zu Lebzeiten veröffentlichte der Komponist sechs Hefte mit je sechs Werken; zwei weitere erschienen nach seinem Tode, und gedruckt wurden zusätzlich diverse Einzelstücke. Sie sind bei Profi-Pianisten ebenso beliebt wie bei Amateuren, und erklingen im Konzert ebenso wie beim häuslichen Musizieren.  Auf dieser CD spielt der niederländische Pianist Ronald Brautigam die Lieder ohne Worte der Hefte fünf bis acht, dazu fünf Einzelstücke und die Sechs Kinderstücke op. 72. Komplettiert wird die CD durch zwei Werke aus dem Notenalbum für Eduard Benecke, den Sohn des Onkels von Mendels- sohns Frau Cécile, dessen Gast der Musiker bei seinem Englandaufenthalt 1842 gewesen war.  Zu hören ist erneut die Kopie eines Pleyel-Flügels von 1830 aus der Werk- statt von Paul McNulty. Das Original befindet sich im Musée de la musique in Paris. Die Aufnahme vermittelt einen Eindruck davon, wie die Lieder ohne Worte zu Lebzeiten des Komponisten geklungen haben könnten. 



Frédéric Chopin
(1810 – 1849)

Frédéric François Chopin (22. Februar oder 1. März 1810 - 17. Oktober 1849) war einer der einflussreichsten und populärsten Klavierkomponisten und Pianisten des 19. Jahrhunderts. Der Sohn eines Franzosen und einer Polin wuchs in Warschau auf, verbrachte sein Berufsleben größtenteils in Paris, und gilt als bedeutendste Persönlichkeit in der Musikgeschichte Polens.



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